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Bei Essstörungen: Achtsamkeit & Genuss

Essstörungen zählen zu den Verhaltensstörungen. Die Gedanken der Betroffenen drehen sich intensiv um das Thema Essen, und sind oft mit einer problematischen Einstellung zum eigenen Körper verbunden.
Genussbotin Lisa, 29, aus Freiburg (D) hat es sich zur persönlichen Aufgabe gemacht, Menschen zum Thema Essstörung aufzuklären und sie daraus zu befreien. Zwölf Jahre lang litt sie an Magersucht, war acht Mal in einer Klinik und hat im Jahr 2020 erfolgreich ihre Krisen überwunden. Lisas selbst entwickeltes 5-Sinnes-Training unterstützt sowohl Betroffene als auch jeden anderen Menschen dabei, eine gesunde Beziehung zu den eigenen Sinnen und infolgedessen auch zum Essen zu entwickeln.
Ich habe zum Thema Essstörung recherchiert, selbst auch das 5-Sinnes-Training absolviert und sogar ein Interview mit Lisa geführt, um sie zu ihren Erfahrungen als Betroffene und als Coach zu befragen.

Von der Magersucht zur Zivilisationskrankheit


Die Anzahl der von Essstörungen betroffenen Menschen ist in den letzten 20 Jahren stark gestiegen. Außerdem sind hauptsächlich Frauen betroffen, so die offizielle Statistik der Deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung1(bzga, siehe https://www.bzga-essstoerungen.de/habe-ich-eine-essstoerung/wie-haeufig-sind-essstoerungen) aufgerufen am 22.02.2022 . In Lisas Heimatregion Tuttlingen hat sich innerhalb von zehn Jahren (2008 bis 2019) die Zahl der Klinikpatient*innen mit Essstörungen verdreifacht. 2 aus dem Artikel der Schwäbischen Zeitung, zu finden auf www.lisadoms.de ganz unten, aufgerufen am 22.02.2022
Die wohl bekannteste Essstörung ist die Magersucht, auch Anorexie genannt. Dabei wird die Gewichtszunahme z.B. durch Fasten oder übermäßige Bewegung verhindert bzw. ins Gegenteil verkehrt. Bulimie bezeichnet den Heißhunger, und nach sogenannten Fress- oder Heißhungerattacken führen Betroffene Brechanfälle herbei, um nicht zuzunehmen. (Bulimia nervosa). Eine weitere Erkrankung nennt sich Binge-Eating-Störung, bei der es zu regelmäßigen Heißhungerattacken kommt, jedoch nicht zwanghaft versucht wird, Gewicht zu halten oder zu reduzieren. 3siehe auch: wikipedia.org/wiki/Essstörung aufgerufen am 22.02.2022

Das Umfeld als Einflussfaktor

Die Ursachen von Essstörungen liegen der Psyche zugrunde und können sehr unterschiedlich sein. Lisa hat für sich herausgefunden: „Es liegt daran, dass ich in meinem Umfeld ständig unter der Angst gelitten habe, meinen Wert zu verlieren, also wertlos zu sein, weil ich nicht so akzeptiert wurde, wie ich bin. […] Wenn ich nicht Ich selbst sein darf und mich nicht frei fühle, suche ich Halt in der Sucht.“ (Lisa Doms, 2020, S. 91f)
Emotionen spielen bei der Entstehung von Essstörungen eine genauso starke Rolle wie das äußere Umfeld, Beziehungen und Resilienz. Hinzu kommen genetische Faktoren, die eine Prädisposition begünstigen sowie soziokulturelle Ursachen, beispielsweise die Verbreitung von Schönheitsidealen durch Medien und Influencer*innen.

Es liegt daran, dass ich in meinem Umfeld ständig unter der Angst gelitten habe, meinen Wert zu verlieren, also wertlos zu sein, weil ich nicht so akzeptiert wurde, wie ich bin. […] Wenn ich nicht Ich selbst sein darf und mich nicht frei fühle, suche ich Halt in der Sucht.

Lisa Doms

Der erste Schritt ist die Annahme

Durch Social Media ist allerdings auch eine Vielzahl an Beratung, Coaching und Möglichkeiten zur Hilfestellung entstanden. Betroffenen und auch deren Angehörigen kann die eigene Situation bewusstwerden. Dies stellt den ersten Ansatz für den erfolgreichen Weg aus der Essstörung dar. Sachbücher, biografische Erzählungen und Blogs versprechen tiefe Einblicke in das Leben und die Gedanken von Betroffenen. „Ich habe selbst die Klinik zu Hilfe geholt, wenn ich den unterstützenden Rahmen gebraucht habe und es zuhause gar nicht mehr ging“, erzählte Genussbotin Lisa im Interview. In ihrem Buch in Tagebuchform4Doms, Lisa, Befreie dich! Von der Essstörung zum achtsamen Lebensgenuss, 2020, 1. Ausgabe, E-Book gibt sie sehr persönliche Eindrücke. Sie berichtet von ihrem letzten Klinikaufenthalt im Jahr 2020, dem Umgang mit Patient*innen und wie sie es letztendlich geschafft hat, sich von ihrer Magersucht zu befreien. „Ich lasse mich unterstützen, ich hole mir Hilfe“, meint sie im Interview. Auf ihrer Website lisadoms.de bietet sie nun genau das an: Unterstützung auf dem Weg aus der Essstörung, hin zu einem genussvollen, befreiten Leben.

Sinnestraining: Coaching für Geist & Körper

In ihrem Buch listet Lisa außerdem ihre ganz persönlichen Methoden auf, die ihr auf dem Weg aus der Essstörung nützlich waren. Zu ihren stärksten zählt sie die Gedankenkraft und den achtsamen Sinnesgenuss. Letzteren hat sie zu einem Onlinetraining herausgearbeitet, wo in sechs Modulen und mit gezielten Übungen die Sinne geschult werden. Zudem nimmt sie sich in einem persönlichen Gespräch die Zeit, die Teilnehmer*innen besser kennenzulernen und individuell zu begleiten. „Durch die achtsame Verbindung mit unserem Körper können wir wirklich an uns arbeiten.“, so Genussbotin Lisa. Sie empfiehlt ebenso Yoga als Praktik, um ein generelles Bewusstsein für den Körper und seine Bedürfnisse zu entwickeln.

Genussbotin Lisa. Coach, Yoga, Expertin für Essstörungen, unterstützt in Krisen
© Carlo Schmidt
Lisa Doms unterstützt Menschen mit und ohne Essstörungen beim Aufbau eines gesunden Selbstbildes und in Krisen

„Niemand sollte alleine durch Krisen gehen.“

Als Genussbotin sieht Lisa es als „unterlassene Hilfeleistung“, ihre Erfahrungen und ihr Wissen nicht mit Betroffenen zu teilen. Sie selbst ist zertifizierte Ernährungsberaterin, Yogalehrerin, Coach und Speakerin sowie examinierte Lehrkraft für Gymnasien. Neben ihrem 5-Sinnes-Training bietet sie außerdem Einzelcoaching für Hochsensible und Personen mit Essstörungen an. Sie sieht es als Stärke, sich Unterstützung zu holen und hat selbst Erfahrungen mit Psychotherapie und Coaching gesammelt. Auf die Frage nach dem Unterschied zwischen beiden stellt sie fest, dass Coaching oft zukunftsorientiert sei, während in der Psychotherapie Vergangenes aufgearbeitet werde. Zudem spiele es eine große Rolle, ob und wie viel Geld man dafür ausgibt, denn das beeinflusse die Umsetzungskraft.5aus dem Interview mit Lisa Doms vom 08.02.22 via Zoom

Freude und Schmerz als Kraftquelle

Ein weiterer Aspekt des Coachings ist die Persönlichkeitsentwicklung, bei der tiefgehende Fragen ein Verständnis für das eigene Ich und andere entwickeln. Emotionen, die Rolle des Körpers und Schmerz stellen für Lisa eine Kraftquelle dar, aus der sie schöpfen und so Probleme und Krisen überwinden kann. „Es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen lernen oder verändern sich aus Freude und die anderen aus Schmerz“, erklärt Lisa. In ihrem Buch schildert sie: „Trotz oder gerade wegen der Angst tue ich genau das, wovor ich Angst habe, weil ich weiß, meine größten Krisen sind mein größtes Wachstum. Nur mit Schmerz ist mein Leben in Bewegung und ich will lebendig sein!“ (Lisa Doms, 2020, S. 152)

© Anika Römer
Lisa hat durch ihre persönlichen Methoden wie Achtsamkeit & Sinnesgenuss die Verbindung zu sich und ihrem Körper gestärkt.

Ebenso können Schmerz und psychische Belastung zu problematischem Verhalten führen, zu krankhaften Gewohnheiten, was den Schmerz überdeckt und sogar vergrößern kann. „Eine Krise ist immer der Versuch einer Veränderung“, schreibt Lisa in ihrem Tagebuch. (ebd. S. 149)

Diese Veränderung oder Heilung, seien es Essstörungen oder andere (psychische) Leiden, setzen die Anerkennung des eigenen Zustandes, den Mut um Hilfe zu bitten und die Bereitschaft voraus, sich sowohl körperlich als auch geistig mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Was denkt ihr über Persönlichkeitsentwicklung & Coaching? Ist es im Bereich „Genießen“ und „Die fünf Sinne“ überflüssig? Habt ihr schon Erfahrungen mit (online) Trainings gemacht? Ich freue mich auf eure Kommentare oder eine persönliche Nachricht!

Schon gehört? Genussbotin Lisa veranstaltet ein ganz tolles Online Festival „Empower Your Dreams!“, wo es dabei geht, DICH zu unterstützen, deine Träume und Ziele zu erreichen. Lass dich von ihr empowern!

Fußnoten / Quellen

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