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Warum arbeitest du nicht für Geld?

Interview



Patrizia S., 32, ist hauptberuflich Lehrerin und seit Juni 2021 ehrenamtlich im Verein Start with a Friend Austria tätig. Sie unterstützt die NGO (engl.: Nichtregierungsorganisation) im Bereich Social Media. Das heißt, sie erstellt Posts, nimmt an Events des Vereins teil und macht Fotos und Videos für Instagram. Wir haben sie kennengelernt und zu ihrer Motivation befragt, in ihrer Freizeit Menschen zu unterstützen.

© Picture People
Patrizia unterstützt den Verein mit kreativen Ideen und fehlt auch bei den internen Events nicht.

Liebe Patrizia, bitte erzähle uns doch kurz, warum du dich für eine ehrenamtliche Tätigkeit entschieden hast, und in welchem Bereich du dies jetzt tust.
Da muss ich ein bisschen ausholen. Ich hatte selbst ein sehr behütetes, liebevolles Elternhaus und eine schöne Kindheit, obwohl die finanziellen Ressourcen sehr knapp waren. Meine Eltern haben das Beste daraus gemacht, indem sie unter anderem der Schulbildung und Büchern einen sehr großen Wert zukommen ließen. So habe ich es geschafft, einen akademischen Bildungsweg einzuschlagen und darf jetzt ein – wie ich finde – sehr privilegiertes Leben führen. Ich habe einen Job, der mir (meistens) Spaß macht und ein gesichertes Einkommen bietet, eine schöne Wohnung in guter Lage. Ich kann mir hin und wieder einen kleinen Urlaub leisten und sorglos gute Lebensmittel und andere Dinge einkaufen. Daher weiß ich zwei Dinge:
Erstens: Ich lebe mein Leben in Frieden und Wohlstand.
Zweitens: Viele Menschen haben dieses Privileg nicht.
Deshalb hatte und habe ich den innigen Wunsch, etwas von meinem Wohlstand zu teilen. Das hat nichts mit Schuldgefühlen zu tun, wie gerne vermutet wird. Ich finde, wir Menschen sind einander zu einer gewissen Geschwisterlichkeit verpflichtet. Das bedeutet für mich eine gute Gesellschaft.

Ich lebe mein Leben in Frieden und Wohlstand. Viele Menschen haben dieses Privileg nicht. Deshalb habe ich den innigen Wunsch, etwas von meinem Wohlstand zu teilen.

Die, denen es gut geht, sollen jenen helfen, denen es gerade nicht so gut geht. Die, die viel haben, sollen jenen geben, die weniger haben. So können wir der Gerechtigkeit, die sehr ungleich auf der Welt verteilt ist, ein bisschen nachhelfen und die Welt zu einem schöneren Ort machen – für alle. 
Also habe ich, sobald ich beruflich ein bisschen weniger gefordert war, die Chance ergriffen und mich auf der Ehrenamtsbörse umgeschaut. Dort gab es sehr viel Angebot für mich. Mir war schnell klar, dass ich diesen Verein im Social-Media-Bereich unterstützen möchte. Das war vor acht Monaten und mittlerweile helfe ich im Verein an mehreren Stellen mit.


Du bist ja schon in einem sozialen Beruf, nämlich als Lehrerin tätig. Woher nimmst du die Kraft & Energie, zusätzlich auch in deiner Freizeit zu arbeiten?
Ich bin immer noch ehrenamtliche Unterstützerin, weil mir die Menschen, denen ich so helfen kann – im Ganzen gerechnet – mehr Kraft und Energie zurückgeben, als ich investiere. Ich darf sehr viele verschiedene Menschen, Kulturen und Ansichten kennenlernen, bekomme Einblicke in andere Lebenswelten und Strukturen. Weil wir durch unsere ähnlichen Ideale zusammenführt wurden und durch Freiwilligkeit bleiben, ist es auch im Team sehr familiär; ich fühle mich bei dem Verein zuhause. Das alles sind Lohn- oder Gehaltsformen, die für mich mit der monetären Vergütung nicht vergleichbar sind.

Denkst du, es braucht einen bestimmten Typ Mensch, oder ist grundsätzlich jede*r für ein Ehrenamt geeignet?
Meiner Meinung nach benötigt es neben dem Helfen-Wollen auch ein Helfen-Können. Ich kann nur aus meiner Perspektive sprechen, aber ich hatte nicht immer Ressourcen zu geben. Zeit, Energie und Zuwendung sind – ähnlich wie Geld – wertvolle Einheiten, die nicht unerschöpflich sind. Man muss sie sich gut einteilen; Geiz wie auch radikale Großzügigkeit sind da keine guten Ratgeber. Und man muss sich dessen bewusst werden. Dann braucht es noch eine Vision oder zumindest eine mittelgroße Portion Idealismus. Danach steht einer ehrenamtlichen Tätigkeit meiner Meinung nach nichts mehr im Wege!

Wenn deine ehrenamtliche Arbeit bezahlt würde, würdest du sie dann gegen deinen Lehrberuf eintauschen?
Sie wird ja ‚bezahlt‘ – nur nicht mit Geld. Würde sie mit Geld bezahlt, vielleicht. Aber dann würde es eine andere Arbeit geben, die ich ehrenamtlich tun würde.

Hast du abschließend noch Tipps für Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, aber nicht wissen, wo und wie?
Ich empfehle die Website der Ehrenamtsbörse. Außerdem ist es vor der Bewerbung ratsam, Vereine bei einem Event einmal zu „beschnuppern“, um herauszufinden, ob sie zu den eigenen Bedürfnissen und Visionen passen. Und lass dich nicht von anderen in deinem Bestreben beirren: Tu, was dir wichtig ist!

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… weil mir die Menschen mehr Kraft und Energie zurückgeben. […] Ich fühle mich bei dem Verein zuhause. […] Das alles sind Lohn- oder Gehaltsformen, die für mich mit der monetären Vergütung nicht vergleichbar sind.

Wir danken dir, Patrizia, für deine Zeit und wünschen dir weiterhin viel Freude im Ehrenamt!

Was sagst du zum Thema Ehrenamt? In welchen Bereichen könntest du dir vorstellen, selbst zu unterstützen? Oder fehlt dir nach deinem Hauptjob dann die Energie & Lust dazu? Sollte heutzutage nicht jede Arbeit mit Geld vergolten werden? Wir freuen uns über deine Meinung! Schreib uns direkt oder hinterlasse einen Kommentar.

Suchst auch du die Möglichkeit, in einem tollen Team zu arbeiten und gemeinsam etwas für deine Mitmenschen zu bewirken? Möchtest du den Verein Start with a Friend Austria kennenlernen? Schau mal hier vorbei!

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