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Ehre dem Ehrenamt – von Nutzen & Eigennutz

Bei meinem letzten Beratungsgespräch mit dem Arbeitsmarktservice (auch AMS genannt) habe ich voller Stolz auf meine ehrenamtliche Tätigkeit in einem Verein hingewiesen. Schließlich zählt das immerhin als Erfahrung. „Na ja, dafür bekommen Sie ja kein Geld“, war das entkräftende Argument meiner Beraterin. Für zukünftige Arbeitgeber sei das kein Einstellungsgrund.
Hm, hab ich da was verpasst, liebe*r Leser*in? Seit wann zählt unbezahlte (oder sollte ich sagen unbezahlbare) Erfahrung nichts mehr? Kann es sein, dass das Ehrenamt in Verruf geraten ist? Und das, obwohl sich fast die Hälfte aller Menschen in Österreich freiwillig engagiert?1Statistik auf https://info.bmlrt.gv.at/themen/zivildienst-ehrenamt/ehrenamt/ehrenamt-in-zahlen.html (22.02.22) Und warum übten dann letztes Jahr rund 16 Millionen Menschen in Deutschland ein Ehrenamt aus?2Statistik auf: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/173632/umfrage/verbreitung-ehrenamtlicher-arbeit/ (22.02.2022)

Eine Frage der Motivation

Die eigentliche Frage, die sich jede*r stellen darf ist, welche Motivation hinter einer freiwilligen Tätigkeit steckt. Der Autor und Philosoph Richard David Precht könnte in seinem Buch „Die Kunst, kein Egoist zu sein“3Precht, Richard David, Die Kunst, kein Egoist zu sein. Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält, 2010, Wilhelm Goldmann Verlag, München, Leseprobe auf: https://www.bic-media.com/mobile/mobileWidget-jqm1.4.html (22.02.22) die Antwort liefern. Das „moralisch Gute“ sind für viele Menschen Werte wie Ehrlichkeit, Respekt und auch Hilfsbereitschaft und Fürsorge. Wer hat nicht schon einmal einer älteren Person beim Einkauf geholfen, oder jemandem die Tür aufgehalten?

Die eigentliche Frage, die sich jede*r stellen darf ist, welche Motivation hinter einer freiwilligen Tätigkeit steckt.

Gleichzeitig behaupten laut Precht Biologen, Vorteilsstreben sei der Motor unseres Soziallebens. Ich persönlich kann beide Aspekte nachvollziehen. Immerhin liegt es mir als Schwester und Lehrerin wohl, mich sozial zu engagieren, und gleichzeitig habe ich etwas davon: Ich fühle mich besser, weil ich für andere Gutes getan habe. Und natürlich, weil ich Erfahrungen gesammelt habe. Wie viel das nun wert ist, ist jedem Menschen selbst überlassen. Meine Motivation ist mir klar, und auch mein Vorteil.
Scheinbar sehen das nicht alle so, oder nur die Arbeitgeber*innen nicht. Fast habe ich mich schlecht gefühlt, als meine AMS-Beraterin diesen Satz gesagt hat. Mein Stolz lief zur Tür hinaus, und ich zweifelte für einen Moment an mir selbst. Während meines Berufswechsels bin ich ins Ehrenamt eingetaucht, und jetzt soll ich darin ertrinken? Nein, niemand kann mich vom Weiterschwimmen abhalten. Niemand kann mir die Erfahrung und meine Motivation nehmen. Für mich selbst weiß ich, wie viel es mir bedeutet, anderen Menschen zu helfen, und das kann kein Geld der Welt wettmachen.

Wie siehst du das, liebe*r Leser*in? Bist du auch ehrenamtlich tätig, oder willst du damit beginnen? Was ist deine Motivation? Über einen Kommentar werde ich mich freuen.


Hier kannst du nachlesen, was meine Kollegin Patrizia zum Ehrenamt gebracht hat.

  

Fußnoten / Quellen

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