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Dein Körper ist die Bühne…

Dein Körper ist die Bühne für diese Schönheit. Ohne dich ist das ein einfaches, schönes Kleidungsstück. Aber mit dir wird es zu einem Schauspieler auf der Bühne, auf deiner wunderschönen Bühne namens Körper. Und nicht nur das, denn erst dein Gang, deine Gestik und dein Ausdruck hauchen diesem Stück Kleidung Leben und Charakter ein.
Diese Worte sagte ich vor jedem Job zu mir, um mich gut zu fühlen. Würde so etwas ein Erfinder, ein Künstler zu seiner Muse oder ein Modedesigner zu seinen Models, die sich mit Selbstzweifeln und ihrem Körper quälen, sagen?

„Verdammt, Amy! Wo steckst du denn? Komm an den Vorhang!“
Noch 3 !
Ich zweifelte an meinem Gang, den ich so lange mit den anderen Mädels vor der Show geübt hatte. Ich zweifelte an meinem Körper, der mich täglich knurrend und kämpfend an meine Opfer erinnerte. Warum war ich so schwach geworden?
Vielleicht sollte ich einfach sagen, mir wäre schlecht… Noch 2 !
Warum wollte ich denn plötzlich aufgeben? Ich war so weit gekommen, aber ich fühlte mich so schwach !

Alle wichtigen Leute sind da. Zeig es ihnen, du kannst das! Noch 1 !
Aber jetzt war es zu spät! Gleich sollte ich raus und stark sein, schön sein, mutig sein und einzigartig sein, so wie das Kleid, das ich trug.

Jetzt ich !
Applaus. Kameras. Fans. Musik. Designer. Stars. Journalisten. Alle waren da. Bei jedem Schritt spürte ich das Loch in meinem Magen und den Stein darin, der immer schwerer wurde. Gleichzeitig wurde der Applaus lauter, die Kameras heller, die Fans wilder, die Musik schriller, die Designer zu Monstern, die Stars zu Trophäen und die Journalisten zu meiner Hoffnung. Ich hoffte, sie würden hinter dieses Kleid, hinter diese Augen blicken. Ich hoffte, sie würden meinen Schmerz erkennen und die Wahrheit berichten, denn ich wusste nicht, ob ich es jemals tun könnte.
Ja! Gebt mir Applaus! Ich verdiene es! Ich habe gefastet! Ich habe trainiert! Meinen Körper habe ich verkauft!
Plötzlich wurden alle Menschen rund um den Laufsteg zu dunkelgrauen Schatten mit langen Armen, die nach mir greifen wollten. Ein dumpfes Grollen durchdrang meine Ohren und der Stein in meinem Magen schien zu explodieren. Nein, nicht jetzt! „Du schaffst es!“, dachte ich mir und lief weiter!

Noch 10 Schritte bis zum Vorhang!
Aber mit jedem Schritt wurde das Kleid schwerer, genauso wie mein Kopf.
Neun!
Das Summen setzte bereits ein! Liebe Augen, noch nicht aufgeben!
Acht !
Wenn ich es jetzt nicht schaffe, dann war’s das endgültig.
Sieben !
Ich fühlte, wie meine Hände taub wurden und drehte sie ein bisschen herum, das fiel niemandem auf.
Sechs!
Lieber Gott, falls es dich gibt, dann brauche ich dich jetzt!
Fünf !
Ich dachte an meine Familie, an meinen Bruder. So würde er mich nicht sehen wollen.
Vier !
Und meine Mutter? Sie wäre noch enttäuschter, denn das alles war ihr Traum gewesen.
Drei !
Meinem Vater war ich ziemlich egal. Er hielt mich für jung und dumm. Er würde schon sehen…!
Zwei !
Ich war irgendwie auch stolz auf mich. Ich hatte jegliche Grenzen überwunden.
Eins !

Geschafft! Hinter dem Vorhang! „Sehr gut, Amy! Aber wo war dein so starker Ausdruck diesmal?“

Und dann spürte ich nur noch, wie …


Ich habe lange über das Ende nachgedacht. Was meint ihr: Wie geht die Geschichte aus? Habt ihr Ideen, wie Amy sich nach dem Auftritt fühlt? Hinterlasst gerne einen Kommentar oder schreibt uns persönlich!

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